Immobilienfinanzierung – Das müssen Sie wissen

Immobilienfinanzierung – Das müssen Sie wissen Bild: pixabay.com, von stevepb, veröffentlicht unter Lizens: CC0 1.0 Universell (CC0 1.0)
Die Bauzinsen sind so niedrig wie nie - kein Wunder also, dass sich mehr und mehr Menschen gerne den Traum vom eigenen Haus erfüllen möchten.


Doch wer sich ein Eigenheim bauen oder kaufen möchte, sollte sich nicht allzu schnell dazu verlocken lassen. Schließlich handelt es sich dabei noch immer um die wahrscheinlich größte Investition, die man in seinem Leben tätigen wird. Damit bei der Immobilienfinanzierung keine Fehler passieren, die später zu finanziellen Engpässen führen können, zeigen wir Ihnen hier, worauf Sie besonders achten sollten.


Ist genügend Eigenkapital vorhanden?

 

Eigenkapital ist eines der wichtigsten Fundamente vor dem Kauf oder Bau eines Hauses. So mancher Kreditnehmer lässt sich dazu verleiten, eine Finanzierung in Anspruch zu nehmen, ohne dass bereits genug Eigenkapital vorhanden ist. Hier vergessen viele Bauherren oft, dass ein höherer Darlehensbetrag auch mehr Zinsen mit sich bringt - und alles somit teurer wird. Als Faustregel gilt: Verbraucher sollten so viel Eigenkapital wie möglich mitbringen - jedoch mindestens 10 %, besser 20 % des Kaufpreises. Wenn die eigenen finanziellen Mittel nicht genügen, können unter Umständen zusätzlich bestehende Kapitallebensversicherungen oder Bausparverträge aufgelöst werden. Auch akzeptieren Banken oft Sicherheiten wie Bürgschaften, Lebensversicherungen sowie Darlehen von Familienangehörigen.

 

Ist die Zinsbindung lang genug?

 

Bei den meisten Finanzierungen kann sich der Kreditnehmer aussuchen ob die Zinshöhe für 5, 10, 15, 20 oder für 25 Jahre festgeschrieben werden soll. Grundsätzlich gilt: Bei einer langen Laufzeit sind natürlich auch die Zinskosten insgesamt höher. Daher wählen viele Immobilienkäufer lieber eine kürzere Zinsbindung. Da die Zinsen in Deutschland jedoch aktuell auf einem fast historisch niedrigen Niveau liegen, ist es ratsam, sich diese zu sichern, ehe sie in den nächsten Jahren wieder ansteigen. Deshalb ist eine möglichst lange Zinsbindung in jedem Fall zu empfehlen. Wählt man die Zinsbindung zu kurz und der Zins steigt mit der Zeit, kann dies für unerwartete finanzielle Engpässe sorgen.

 

Haben Sie Ihre Möglichkeiten realistisch eingeschätzt?

 

Die maximalen Kosten für eine Immobilie hängen in erster Linie vom bereits vorhandenen Eigenkapital, aber auch vom monatlich zur Verfügung stehenden Budget ab. Deshalb ist es als Erstes wichtig, die Einnahmen und Ausgaben realistisch gegenüber zu stellen. Überlegen Sie sich, wo es Einsparpotenziale gibt und berücksichtigen Sie auch einen gewissen finanziellen Puffer für unerwartete Kosten - wie medizinische Behandlungen oder Autoreparaturen.

 

Grundsätzlich ist es wichtig, absolut ehrlich zu sich selbst zu sein und sich zu fragen, wie viel Geld man wirklich monatlich in die Rückzahlung investieren kann. Zur Kalkulation zählen auch weitere Kosten, wie für noch offene Kredite, Abos, Nebenkosten und Ähnlich. Auch hier kann man sich an einer Faustregel orientieren: Die monatliche Belastung sollte in keinem Fall mehr als 30 bis 40 % des monatlichen Einkommens betragen. Es sollte trotz des Immobilienkaufs noch genügend Geld zur Verfügung stehen, um sein Leben nicht vollständig einschränken zu müssen: Gelegentliche Freizeitaktivitäten mit der Familie, Restaurantbesuche oder Urlaube sollten auch dann noch möglich sein, ohne dass man jeden Cent umdrehen muss.

 

Ist Ihre Familie gut abgesichert?

 

Natürlich setzt sich niemand gerne mit Risiken auseinander, die das Leben der Familie betreffen. Dennoch sollte die Absicherung der Familie unbedingt berücksichtigt werden: Sollte der Kreditnehmer plötzlich erkranken und arbeitsunfähig sein oder gar sterben, dann ist es für den Rest der Familie oft nicht mehr möglich, die Hausfinanzierung weiter aufrecht zu erhalten. In diesem Fall greift dann eine Risikolebensversicherung, die aus diesem Grund unbedingt abgeschlossen werden sollte. Sie leistet sowohl bei Arbeitsunfähigkeit als auch bei Arbeitslosigkeit und Todesfällen finanziellen "Ersatz" und trägt die Kosten zuverlässig weiter.

 

Haben Sie alle Nebenkosten für Immobilien berücksichtigt?

 

Auch, wenn der günstige Kaufpreis der Wunschimmobilie noch so verlockend sein mag - es sollte bedacht werden, dass dies noch lange nicht die endgültigen Kosten sind, die auf einen zukommen. Der Kreditnehmer muss darüber hinaus auch noch weitere Nebenkosten einkalkulieren. Dazu zählen unter anderem die Kosten für die Eintragung in das Grundbruch, Makler- und Notargebühren, etwaige Renovierungs- oder Sanierungskosten, Erschließungskosten für Gas, Strom und Abwasser sowie Gebühren für die Vermessung, eine Baugenehmigung oder für einen Gutachter. Um auf der sicheren Seite zu sein, sollten sämtliche anfallenden Kosten im Vorfeld noch einmal genau aufgelistet und mit dem zur Verfügung stehenden Budget abgeglichen werden.

Insbesondere bei Erwerb eines Bestandsobjekts sollten Sie darauf achten, dass nach dem Kauf noch versteckte Kosten für die Sanierung oder den Umbau entstehen können. Um diese Kosten genau abschätzen zu können und nicht durch Umbaumaßnahmen in Verzug mit dem Einzugstermin zu kommen empfiehlt es sich eine professionelle Immobilienberatung zu kontaktieren.

Haben Sie einen finanziellen Puffer eingeplant?

 

Eine Hausfinanzierung am finanziellen Limit ist ein Risiko, das in keinem Fall zu empfehlen ist, aber leider noch immer von vielen Bauherren in Kauf genommen wird. Steckt man das gesamte Eigenkapital und die Hausfinanzierung in die Bezahlung einer Immobilie, dann fehlen an anderer Stelle ganz sicher finanzielle Mittel. Halten Sie aus diesem Grund immer eine Sicherheitsreserve für den Notfall zurück: Es kann immer sein, dass plötzliche Zusatzkosten auftreten, mit denen man vorher nicht gerechnet hat. Planen Sie monatliche Rücklagen ein, die auf einem separaten Sparkonto gelagert werden, so dass man nicht in Versuchung gerät, die Beträge ebenfalls direkt auszugeben.

 

Fazit: Eine Immobilienfinanzierung benötigt eine sorgfältige Planung

 

Ohne eine solide und gut durchdachte Finanzierung sollte kein Immobilienerwerb durchgeführt werden. Schon bevor man ein Darlehen aufnimmt, ist es wichtig, zu kalkulieren, wie viel Haus man sich tatsächlich leisten kann und wo die finanziellen Grenzen liegen. Unter Umständen kann hier auch ein Beratungsgespräch mit der Hausbank oder einem unabhängigen Finanzberater weiterhelfen.
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